Focusing

Focusing ist ein psychotherapeutisches Verfahren, das von Eugene T. Gendlin das entwickelt wurde und welches Körperempfindungen bei der Suche nach Quellen und Ursachen persönlicher Probleme einbezieht. Dieses Verfahren basiert auf der Annahme, dass jedes geistig-seelische Erleben mit bedrohlichem Hintergrund körperliche Reaktionen hervorruft (z.B. Beklemmung im Brustraum, Druck in der Magengegend, stockender Atem oder weiche Knie). Während die auslösenden Ereignisse oft vergessen oder verdrängt werden, bleiben die Körpersignale erhalten, so dass man auf sie fokussieren kann. Die körperlichen Empfindungen sind gleichsam der Pfad, auf dem man der Lösung des Problems näherkommt. Beim Focusing schließt der Betroffene die Augen und vergegenwärtigt sich das Problem. Dabei beobachtet er die Reaktion im Körper und beschreibt die Körperempfindung. Die wiederholte genauere Beschreibung der Körperempfindungen führt zu körperlich spürbaren Erleichterungen. Die durch Focusing wiederhergestellte Erinnerung lässt eine neue Sicht auf das Problem zu, und eröffnet Wege zur Lösung, die vorher blockiert waren.

Motivierende Gesprächsführung

Das Konzept der Motivierenden Gesprächsführung wurde von William Miller und Stephen Rollnick basierend auf dem Veränderungsmodell von James O. Prochaska und Carlo DiClemente für die Beratung von Menschen mit Suchtproblemen entwickelt. Es handelt sich um ein zielgerichtetes, klientenzentriertes Beratungskonzept zur Lösung uneindeutiger (ambivalenter) Einstellungen gegenüber Verhaltensänderungen. Der Betroffene wird als selbstverantwortlich behandelt und es gilt, ihn auf seinem Weg ohne Einflussnahme oder Machtausübung zu begleiten. Im Zentrum der Motivierenden Gesprächsführung stehen aktives Zuhören, Wertschätzung und Akzeptanz des inneren Zwiespalts und die Unterstützung des Betroffenen in seinem Selbstvertrauen und in seiner Motivation zu einer Verhaltensänderung. Motivierende Gesprächsführung eignet sich zur Beratung bei Alkohol-, Nikotin-, Medikamenten- und Drogenproblemen, sowie bei Risikoverhalten.

Emotionsfokussierte Therapie

Die emotionsfokussierte Therapie (EFT), die von Leslie Greenberg und Rhonda Goldmann entwickelt wurde, legt den Schwerpunkt der Behandlung psychischer Störungen auf Emotionen. Die emotionsfokussierte Therapie beruht auf der Annahme, dass Affekte angeboren sind. Im Laufe der Entwicklung eines Menschen organisieren sich die Affekte in einzelne Emotionen, die wir zuerst in unserem Körper spüren. Mit der Entwicklung lernen wir, sie bewusst zu artikulieren und gedanklich zu verarbeiten. Emotionen lenken wie Scheinwerfer unsere Aufmerksamkeit auf das relevante Geschehen, helfen uns, dieses zu bewerten, und ermöglichen uns zu handeln. Zusätzlich beeinflussen Emotionen die nachfolgenden kognitiven Verarbeitungsprozesse wie Gedächtnis- und Entscheidungsprozesse. In der emotionsfokussierten Therapie unterstützt der Therapeut den Betroffenen dabei seine Emotionen zu identifizieren, zu akzeptieren, zu verstehen und für den Fall, dass sie nicht länger hilfreich sind, zu verändern.

Systemische Therapie

Die Systemische Therapie ist eine Therapieform, die sich aus der Arbeit mit Familien entwickelte. Die zentrale Annahme der systemischen Therapie ist, dass der Schlüssel zum Verständnis und zur Veränderung von Problemen weniger in der behandelten Person allein liegt, sondern im (familiären) Zusammenhang, in dem das Problem steht, zu finden ist. Somit werden Probleme nicht als Eigenschaften einzelner Personen gesehen. Sie sind Ausdruck der aktuellen Kommunikations- und Beziehungsbedingungen in einem System. Der therapeutische Blick erweiterte sich vom Individuum auf die Beziehung, die Zweierbeziehung, die Familie und größere Bezugssysteme.
Der Therapeut versucht, die bisherigen Muster und Vorannahmen in Frage zu stellen und regt andere Sichtweisen an, um neue Interpretationsvarianten und Interaktionsregeln zu ermöglichen. Dabei nutzt der Therapeut besondere Gesprächstechniken, beispielsweise das zirkuläre Fragen. Um Beziehungen erfahrbar zu machen, kann der Therapeut die Familien anleiten, sich in einer Skulptur darzustellen.
Der Therapeut versteht sich nicht als Experte, der die Diagnose stellt und die Lösung vorgibt. Er unterstützt einen neugierigen und respektvollen Dialog mit dem Betroffenen, einem Paar oder ei-ner Familie, um sie darin zu unterstützen neue Perspektiven und befriedigendere Muster des Zusammenlebens zu entwickeln.

Interpersonelle Psychotherapie

Bei der Interpersonellen Psychotherapie handelt es sich eine speziell auf die Behandlung von Depressionen zugeschnitten Therapiemethode. Das Verfahren setzt direkt an den Lebensbezügen des Betroffenen an, die im unmittelbaren Zusammenhang mit der Depression stehen. Zu den typischen Problembereichen der Interpersonellen Psychotherapie gehören komplizierte Trauer, Rollenwechsel/Lebensveränderungen, Einsamkeit/soziale Defizite und zwischenmenschliche Konflikte. Das Ziel Therapie liegt auf der Verbesserung der gegenwärtigen Interaktions- und Kommunikationsmuster des Betroffenen mit seinen Bezugspersonen sowie der Reduktion von zwischenmenschlichem Stress und dem Aufbau sozialer Unterstützung. Die Emotionen und Ressourcen des Betroffenen spielen dabei eine bedeutende Rolle.

Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy

Das Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy (CBASP) ist ein Psychotherapieverfahren, das von James P. McCullough speziell für Menschen mit chronischer Depression entwickelt wurde. Im Cognitive Behavioral Analysis System for Psychotherapy wird davon ausgegangen, dass chronisch depressive Menschen durch ungünstige Erfahrungen in der Kindheit nicht oder nicht ausreichend gelernt haben, wie sie in sozialen Situationen ihre Ziele und Wünsche erreichen können. Dadurch kommt es zu einer Entkoppelung der Wahrnehmung des Betroffenen von seiner Umwelt. Ein wichtiges Ziel der Therapie besteht daher darin, dass die Betroffenen lernen zu erkennen, was sie bei anderen Mitmenschen auslösen und was andere bei ihnen auslösen, um schließlich von anderen das zu bekommen, was sie sich wünschen.
Ein wichtiger Schwerpunkt des Verfahrens liegt zum einen in der Situationsanalyse und einem sich daran anschließenden Verhaltenstraining, zum anderen in interpersonellen Strategien zur Gestaltung der therapeutischen Beziehung. Anhand der Situationsanalyse lernt der Betroffene einen Zusammenhang zwischen seinen Verhaltens- und Denkmustern und den jeweiligen Konsequenzen herzustellen. Zudem wird durch eine sehr persönliche, offene und vertrauensvolle therapeutische Beziehung versucht, dass die Patienten neue positive Beziehungserfahrungen in der Therapie machen können, so dass sie generell Menschen wieder mehr vertrauen können.

Dialektisch-behaviorale Therapie

Die Dialektisch-behaviorale Therapie wurde von Marsha M. Linehan entwickelt und verbindet klassische verhaltenstherapeutische Methoden mit achtsamkeits- und akzeptanzbasierten Methoden verbindet. Ursprünglich wurde diese Psychotherapieform zur Behandlung von Patienten mit suizidalem Verhalten entworfen, heute kommt sie aber auch zur Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung, der Posttraumatischen Belastungsstörung bei Menschen mit Essstörungen und bei Suchterkrankungen zum Einsatz.
Die Dialektisch-behaviorale Therapie stellt die Störung der Emotionsregulation in den Mittelpunkt ihres Behandlungskonzeptes. In der Therapie kommt es deshalb darauf an, die Notlage zu erkennen, in der es zu nicht geglückten Bewältigungsversuchen gekommen ist. Bislang unkontrollierte Prozesse sollen sowohl für den Betroffenen als auch für den Therapeuten berechenbar werden. Außerdem sollen die Betroffenen erfolgreiche Bewältigungsstrategien erlernen und einüben, um mit ihren z. T. enormen Spannungszuständen besser klar zu kommen. Die Dialektisch-behaviorale Therapie arbeitet darüber hinaus auch am negativen Selbstbild und interpersonellen Verhaltensmustern. Es wird aufgezeigt, wie Betroffene Strategien zur Reduktion extremer Emotionalität sowie dysfunktionaler stimmungsabhängiger Verhaltensweisen erlernen können.
Wichtiger Baustein derDialektisch-behavioralen Therapie ist das Skillstraining. Skills heißt übersetzt Fähigkeiten und meint in der Dialektisch-behaviorale Therapie Fähigkeiten und Fertigkeiten, die dazu dienen, mit Gefühlen, Stimmungen oder Erinnerungen im Alltag konstruktiver umzugehen. Beim Skillstraining werden mit dem Betroffenen einerseits bereits vorhandene Fertigkeiten bewusstgemacht und andererseits werden neue Fertigkeiten erlernt, trainiert und automatisiert.

Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy

Die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy (IRRT) ist eine spezielle Therapieform für Betroffene, die in der Kindheit Opfer sexuellen oder körperlichen Missbrauchs geworden. Diese Therapieform wurde von Mervyn Schmucker entwickelt. In den letzten Jahren wurde diese Methode auch erfolgreich bei weitere Anwendungsgebiete, wie z.B. Angst, Depression und komplizierte Trauerreaktionen, eingesetzt. Das Charakteristische dieses Verfahrens ist, dass es Methoden der Konfrontation in sensu kombiniert mit dem Aufbau von imaginativen Bewältigungsbildern. Hierdurch soll es zu einer Neubewertung der vorhandenen traumabezogenen destruktiven Gedanken und Schemata kommen. Das Ziel der IRRT ist es, die physiologische Erregung des Betroffenen zu reduzieren, die traumatische Vorstellung durch Bewältigungsstrategien zu ersetzen und die Fähigkeit zum Selbstschutz und zur affektiven Selbstregulation zu steigern.

Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

Eye Movement Desensitization and Reprocessing bedeutet Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen und ist eine von Francine Shapiro entwickelte Behandlungsmethode für traumatisierte Personen. Dieses Therapieverfahren basiert auf der Annahme, dass es bei einem Trauma zu einem „sprachlosen Entsetzen“ kommen kann, bei dem in der rechten Hirnhälfte Bilder des Erlebten gespeichert werden, während das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte aktiv unterdrückt wird. Das Erlebte kann nicht in Worte gefasst werden und die Verarbeitung des erlebten Traumas wird erschwert oder sogar verhindert. Während der Therapie wird die Aufmerksamkeit des Betroffenen nun doppelt gebunden, indem er sich zum einen auf die schmerzliche Erinnerung konzentriert und zum anderen auf die ruhige Bewegung der Finger des Behandlers. Durch diese Verknüpfung wird der Betroffene mehr und mehr zum Beobachter seiner Erfahrungen und die quälenden Erinnerungen verlieren in dem beruhigenden und klar strukturierten Setting nach und nach an Macht. Die Behandlung gliedert sich in 8 Phasen, in denen Psychoedukation, Stabilisierungsverfahren, sowie Desensibilisierung und Durcharbeitung eine bedeutende Rolle spielen.

Ego-State-Therapie

Die Ego-State-Therapie wurde in den 1980er Jahren entwickelt und wird zur Behandlung von trauma-assoziierten Störungen eingesetzt. Sie basiert auf der konzeptuellen Vorstellung, dass sich die Persönlichkeit eines jeden Menschen aus verschiedenen Anteilen zusammensetzt. Bei einer gesunden Psyche arbeiten diese sogenannten Ich-Anteile bewusst und konstruktiv zusammen. Das Erleben eines traumatischen Ereignisses kann jedoch zu einer Abspaltung von inneren Zuständen führen. Dies hat zur Folge, dass gewisse Anteile das menschliche Erleben und Verhalten unbewusst und unkontrolliert beeinflussen. Somit agieren sie unabhängig vom Kern-Ich und entwickeln eigene, teils widersprüchliche und in Konflikt stehende Handlungsstrategien. Die Therapieform verfolgt im Zusammenhang damit das Ziel, die inneren Anteile durch Wertschätzung und intensiver Auseinandersetzung zu einem stabilen Team zu vernetzen. Folglich soll eine notwendige Kommunikation mit der übergeordneten Ich-Instanz hergestellt werden. Die hierdurch ermöglichte kooperative Zusammenarbeit der inneren Anteile führt langfristig zu einer erfolgreichen Bewältigung von alltäglichen Situationen.