Autismus-Spektrum-Störungen

Anstieg um 600% in den letzten 20 Jahren: Die Diagnose Autismus-Spektrum-Störungen wird zunehmend häufig vergeben, doch was genau versteht man darunter?

Autismus wird oftmals auch als „unsichtbare Behinderung“ bezeichnet. Hiermit werden die zugrundeliegenden Besonderheiten in der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung angesprochen. Diese führen wiederum zu den beobachtbaren Auffälligkeiten in der sozialen Interaktion und Kommunikation. Zu den Stärken autistischer Menschen gehören unter anderem eine hohe Konzentrationsfähigkeit, Wahrheitsliebe, logisches & kreatives Denken sowie eine ausgeprägte Detailgenauigkeit. Zudem können sensorische Besonderheiten vorliegen. So können Betroffene sehr empfindlich für bestimmte Gerüche, Farben, Berührungen oder Geräusche sein. Andererseits zeichnen sich die Autismus-Spektrum-Störungen durch Einschränkungen in der sozialen Interaktion und mangelnden „soft skills“ aus. Hierzu gehören unter anderem Teamfähigkeit, Mobilität, Stressresistenz und Flexibilität.

Mythos Inselbegabungen?
Im Alltag wird Autismus oftmals mit Inselbegabungen assoziiert. Tatsächlich weisen jedoch „nur“ 10% aller Autisten derartig überdurchschnittliche Fähigkeiten auf.

Warum eigentlich Autismus-Spektrum-Störungen und nicht einfach nur Autismus?
In der Praxis & Forschung werden verschiedenen Formen von Autismus unterschieden und dementsprechend klassifiziert. Die Differenzierung erfolgt hierbei am Ausmaß des Hilfebedarfs bzw. Schweregrads. Asperger gehört beispielsweise zu den „leichteren“ Formen. Betroffene beherrschen die gesprochene Sprache und weisen eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz auf. Dies trifft auf schwerwiegendere Ausprägungen wie dem Frühkindlichen Autismus nicht zu.

Zwangsstörung

Viele Menschen kontrollieren lieber zwei Mal, ob sie die Tür verschlossen haben oder zählen die Stufen beim Treppensteigen. Bei Zwangserkrankungen führen solche Gewohnheiten und Rituale jedoch zu einer enormen Lebensbelastung. Hierbei leidet der Betroffene unter aufdringlichen Gedanken oder dem Drang bestimmte Handlungen auszuführen. Sie selber empfinden diese Gedanken oder Handlungen als überflüssig und unsinnig, können sich dem allerdings nicht entziehen.
Bei Zwangserkrankungen wird unterschieden, ob Zwangsgedanken oder Zwangshandlungen im Vordergrund stehen:

Zwangsgedanken werden als bedrohlich, moralisch verwerflich oder quälend erlebt. Sie gehen immer mit Angst und Anspannung einher. Zwangsgedanken handeln häufig von Aggressionen, Verunreinigungen, Symmetrie, religiösen oder sexuellen Themen. So kann ein Betroffener z.B. die Befürchtung hegen, sein eigenes Kind zu verletzen. Eine andere Form von Zwangsgedanken ist der Grübelzwang. Hierbei kann der Betroffene häufig keine Entscheidung mehr treffen, weil endlos über die Konsequenzen von verschiedenen Alternativen nachgedacht wird. Um die Zwangsgedanken zu neutralisieren, führen viele Betroffene Rituale in Gedanken (z.B. innerlich bestimmte Worte wiederholen) oder als Handlung aus.

Zwangshandlungen sind Verhaltensweisen, die immer wieder in einer ritualisierten Form ausgeführt werden müssen. Oft werden sie durchgeführt, um ein Unglück zu verhindern. So wird z.B. beim Kontrollzwang der Heimweg mehrmals abgefahren, um zu überprüfen, dass man keinen Unfall gebaut hat. Am bekanntestes ist der Wasch- und Reinigungszwang. Hierbei werden die Hände, die Wohnung oder die Wäsche mehrmals am Tag in einem klar definierten Ablauf gesäubert. Zu den Zwangshandlungen zählen auch das stereotype Zählen (z.B. von Fenstern) oder das Ordnen von Gegenständen in einer perfekten Symmetrie.

Zwangserkrankungen beginnen meistens in der Jugend oder im frühen Erwachsenenalter. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Unbehandelt nimmt die Erkrankung oft einen chronischen Verlauf. Insgesamt sind ungefähr 1,5% der Bevölkerung von einer Zwangsstörung betroffen.

Therapiemöglichkeiten
Bei Zwangserkrankungen ist die Reizkonfrontation mit Reaktionsverhinderung die Methode der Wahl, um die Symptomatik zu reduzieren. Hierbei lernt der Betroffene, dass das Unterlassen der Rituale nicht zur befürchteten Katastrophe führt. Zusätzlich werden mithilfe der kognitiven Therapie Maßstäbe von Bewertungen, z.B. beim Thema Schuld, überprüft.

Verhaltensauffälligkeiten

Viele unserer alltäglichen Verhaltensweisen verlaufen routiniert und ohne unser besonderes Zutun ab. Dieses automatisierte Verhalten entlastet unser Gehirn – denn wir benötigen dafür kaum Anstrengungen. Auch schädigende oder unangenehme Verhaltensweisen laufen bei manchen Menschen wie automatisiert ab. Ohne bewusste Einflussnahme können Tics entstehen (blinzeln, räuspern, klatschen, winken, an den Haare zupfen) oder das Aussprechen von Dingen, die wir eigentlich lieber für uns behalten hätten. In solchen Fällen leiden wir unter wie automatisiert ablaufenden Abweichungen unseres Verhaltens.

Andere Beispiele sind jähzorniges Verhalten; schnelles Aufgeben; Schusseligkeit; Mühe, Aufgaben zu planen und zu Ende zu bringen; Unbeständigkeit von beruflichen und sozialen Bindungen. Auch kann es sein, dass wir immer wieder gegen Regeln und Normen verstoßen und unter den Konsequenzen unseres Verhaltens leiden. Manchmal passiert es auch, dass wir unsere positiven Gefühle aus selbstschädigenden oder riskanten Aktivitäten ziehen (Drogen, ungesundes Essverhalten, Glücksspiel, Fremdgehen, Risikoverhalten) und wir es trotz des Wissens, dass es uns schadet, nicht unterlassen können.

Therapiemöglichkeiten:

Am Anfang jeder Veränderung steht in der Verhaltenstherapie immer die Analyse der derzeitigen Problematik. Anschließend setzen unterschiedliche Strategien der kognitiven Verhaltenstherapie an, um das Verhalten langfristig zu verändern. Eine Analyse kurz- und langfristiger Konsequenzen des Verhaltens und Methoden der Selbstkontrolle und des Selbstmanagements helfen, sich an langfristig hilfreichem Verhalten zu orientieren und auf kurzfristig reizvolles Verhalten zu verzichten. Über Methoden der Kontingenzkontrolle soll die Attraktivität des gewünschten Verhaltens zusätzlich erhöht werden. Folgende Verfahren kommen zur Anwendung: Selbstinstruktionstraining nach Meichenbaum, Problemlösetraining nach D`Zurilla&Goldfried und Selbstmanagementansatz nach Kanfer.

Im Umgang mit Tics und anderen nervösen Verhaltensgewohnheiten wird das Habit-Reversal Training angewandt, ein Verfahren, dass die systematische Unterbrechung von Tics zugunsten eines alternativen Verhaltens beinhaltet. Hierbei soll der Verhaltensimpuls in die Ausführung eines alternativen Verhaltens umgewandelt werden.

Sucht

Bestimmte Substanzen, wie Alkohol, Medikamente, Tabak und andere Drogen haben ein Suchtpotential. Daraus folgt, dass der Konsum dieser Substanzen schrittweise in eine Abhängigkeit führen kann. Eine Abhängigkeit äußert sich in einem starken Verlangen (craving), die Substanz zu konsumieren. Der Körper gewöhnt sich im Laufe der Zeit an die Substanz, weswegen größere Mengen eingenommen werden müssen, um die gleiche Wirkung zu erzielen. Wird die Substanz nicht zugeführt, reagiert der Körper mit Entzugserscheinungen (zittern, depressive Verstimmungen, schwitzen, Schlafstörungen usw.). Um die Substanz zu konsumieren oder zu beschaffen, vernachlässigt der Betroffene andere Interessen und konsumiert trotz nachweisbarer schädlicher gesundheitlicher oder sozialer Folgen weiter.

Als Folge der Sucht können vielfältige körperliche Erkrankungen auftreten. Aber auch die Psyche kann sich verändern. Es kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen, Ängsten, Suizidgedanken, Halluzinationen oder Gefühlsschwankungen kommen. Auch im beruflichen und sozialen Bereich können Probleme auftauchen, die manchmal mit einem Jobverlust oder einer Trennung einhergehen.

In Deutschland ist Sucht ein weit verbreitetes Phänomen. So gibt es ungefähr 16 Millionen Tabak-, 1,7 Millionen Alkohol-, 1,1 Millionen Medikamenten- und ca. 100.000 Drogenabhängige.

Therapiemöglichkeiten

Um eine Auseinandersetzung mit dem Substanzkonsum zu ermöglichen, werden Beratungsgespräche und motivierende Gesprächsführung angeboten. Entscheidet sich der Betroffene für eine Behandlung, findet erst einmal die Phase des körperlichen Entzugs statt. Dieser muss in vielen Fällen stationär stattfinden und ärztlich begleitet werden. In der Therapie lernt der Betroffene seine Abstinenzentscheidung zu stärken und wie mit Cravingsituationen umgegangen werden kann. Neben klassischen kognitiv-verhaltenstherapeutischen Methoden, können auch die Dialektisch-Behaviorale Therapie, Akzeptanz- und Commitmenttherapie, sowie Achtsamkeitsübungen hilfreich sein. In der Therapie werden auch Methoden besprochen, wie Rückfälle zu verhindern sind. So werden Pläne für Gefahrensituationen besprochen oder das Ablehnen von Angeboten trainiert.

Eine psychotherapeutische Behandlung in unserer Praxis ist erst nach der Entzugs- und Entwöhnungsbehandlung möglich, wenn eine stabile Abstinenz vorhanden ist.

Sexuelle Störungen

Sexuelle Störungen treten sehr häufig auf. Man geht davon aus, dass mehr als 15% der Patienten in Arztpraxen davon betroffen sind. Sexuelle Störungen haben alle gemeinsam, dass die angestrebte sexuelle Beziehung nicht befriedigend erlebt werden kann. Eine sexuelle Störung hat Auswirkungen auf die Partnerschaft. Aber auch Probleme in der Beziehung können zu sexuellen Problemen führen. Der sexuelle Prozess besteht dabei im Allgemeinen aus vier Phasen. Es beginnt mit der Appetenz-Phase, in der es zu Phantasien über sexuelle Aktivitäten kommt oder sich das Verlangen einstellt. Anschließend kommt es zur Erregungsphase und geht über in die Orgasmus-Phase mit dem Höhepunkt der sexuellen Lust. Darauf folgt die Entspannungs-Phase mit dem Gefühl muskulärer und allgemeiner Entspannung und Wohlbefinden. In jeder dieser Phasen kann es zu Schwierigkeiten kommen:

Mangel oder Verlust von sexuellem Verlangen:
Hierbei kommt es zu einem Libidoverlust. Ein Mangel an sexuellem Verlangen schließt eine sexuelle Befriedigung und Erregung nicht aus. Jedoch werden sexuelle Aktivitäten selten initiiert.

Sexuelle Aversion und mangelnde sexuelle Befriedigung:
Hierbei wird sexuelle Aktivität vermieden, weil es eine intensive Furchtreaktion auslöst (sexuelle Aversion). Es kann aber auch sein, dass die sexuelle Aktivität stattfindet. Hierbei können alle sexuelle Reaktionen, einschließlich Orgasmus, erfahren werden. Jedoch findet die sexuelle Aktivität ohne entsprechende Lust statt (mangelnde sexuelle Befriedigung).

Versagen genitaler Reaktionen:
Männer haben hierbei Schwierigkeiten, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr notwendige Erektion zu erlangen oder aufrecht zu erhalten. Bei Frauen ist zu wenig oder gar keine vaginale Lubrikation vorhanden.

Orgasmusstörungen:
Das Problem ist ein gänzlich fehlender oder verzögerter Orgasmus. Dies kann alle Situationen betreffen. Die Orgasmusstörung kann allerdings auch nur in spezifischen Situationen auftreten.

Ejaculatio praecox:
Es kommt zum vorzeitigen Samenerguss, so dass das sexuelle Zusammensein nicht genossen werden kann.

Nichtorganischer Vaginismus:
Aufgrund einer verkrampften Scheide ist das Eindringen des Penis nicht möglich oder sehr unangenehm. Für die Diagnose müssen organische Ursachen ausgeschlossen sein.

Nichtorganische Dyspareunie:
Der oder die Betroffene erleben Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs. Diese Schmerzen können nicht auf eine körperliche Erkrankung zurückgeführt werden.

gesteigertes sexuelles Verlangen (Sexsucht/Hypersexualität):
Ein ständiges Verlangen nach intimen Kontakten, exzessive Selbstbefriedigung und der Konsum von Pornografie mehrere Stunden am Tag sind die typischen Symptome der Hypersexualität. Die Sexsucht, wie die Hypersexualität im allgemeinen Sprechgebrauch genannt wird ist keine Krankheit im engeren Sinne, wird von den Betroffenen aber als solche erlebt, da häufig ein Gefühl des Kontrollverlustes und Leidensdruck entstehen. Der Begriff Sexsucht ist irreführend, da sich die Hypersexualität von einer Sucht deutlich unterscheidet. Je nach Ausprägung des Verhaltens, kann man eher von einem Zwang oder einer Impulskontrollstörung sprechen. Die Betroffenen können ihr Sexualverhalten nicht mehr steuern und vernachlässigen oftmals darüber ihre übrigen Interessen. Der Alltag und vor allem die Partnerschaft leiden unter der Hypersexualität. Als Ursachen sind häufig eine unzureichende emotionale Ausdrucksmöglichkeit und Schwierigkeiten mit Intimität und Nähe vorhanden.

Therapiemöglichkeiten:

Um die Lebensqualität zu steigern und eine sexuelle Störung zu behandeln können Sexualberatungen oder Paartherapie hilfreich sein. Wenn die betroffene Person nicht in einer Beziehung lebt, traumatische Erfahrungen ursächlich sind oder innere Konflikte vermutet werden, bietet sich eine Einzelpsychotherapie an. Innerhalb der verhaltenstherapeutischen Behandlung lernen die Betroffenen, ihre eigenen Vorstellungen und Wünsche zu formulieren, Vermeidungsverhalten und Ängste abzubauen und ihre sexuellen Körperreaktionen besser wahrzunehmen und damit einen kontrollierten und gesunden Umgang mit der eigenen Sexualität zu erlernen.

Selbstwertproblematik

Kennen Sie den Eindruck, dass nichts an Ihnen liebenswert und wertvoll ist? Gelegentliche Unsicherheit bezüglich der eigenen Person ist ein Phänomen, was unter uns Menschen relativ verbreitet ist. Gefühle von Scham oder Schuld, die häufig mit Selbstunsicherheiten einhergehen, haben auch eine wichtige Funktion. Sie helfen uns einzuschätzen, ob wir uns sozial angemessen verhalten und sinnvolle Gruppenregeln und Normen einhalten. Insbesondere in unbekannten Situationen, in denen wir auf wenig Erfahrung und ein geringes Verhaltensrepertoire zurückgreifen können, werden häufig Selbstunsicherheiten ausgelöst.

Es gehört zu unseren Grundbedürfnissen, schon in der Kindheit und Jugend, regelmäßig Erfahrungen zu machen, die unser Selbstwertgefühl fördern und stabilisieren. Leider machen viele Menschen in ihrer Entwicklung entgegengesetzte Erfahrungen. Abwertende Kommentare durch nahe und fernere Bezugspersonen, mangelnde Anerkennung oder Wertschätzung sowie hohe Erwartungen fördern das Gefühl nicht in Ordnung zu sein. Die daraus entstandenen Denk- und Verhaltensweisen verhindern dann auch später noch die Entwicklung eines gesunden und stabilen Selbstwertgefühls.

Zudem befinden sich Menschen manchmal in Lebenssituationen, in denen wichtige Säulen des Selbstwertgefühls weggebrochen sind oder nie vorhanden waren. Einsamkeit, Verlust der Arbeit, erfolglose Versuche sich auf dem Arbeitsmarkt zu etablieren, Mobbingerfahrungen, Verlust von wichtigen Bezugspersonen, Krankheit oder Behinderungen sind nur einige Beispiele, die unser Selbstwertgefühl destabilisieren können.

Therapiemöglichkeiten:

Nach einer genauen Analyse der Ursachen für die Selbstwertproblematik können gezielt verhaltenstherapeutische Methoden angewandt werden. Es geht darum, sich ein Lebensumfeld zu erschaffen, in dem wieder selbstwertdienliche Erfahrungen gemacht werden können, eigene Ressourcen kennen zu lernen und ausbauen zu können und sich vor Augen zu führen, was uns zu liebenswerten Menschen macht. Um hinderliche Gedanken, automatisierte Grundannahmen, überhöhte Erwartungen, unerreichbare Forderungen an sich zu entdecken und gegebenenfalls zu hinterfragen, werden Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie angewandt. Manchmal kann es sinnvoll sein seine sozialen Kompetenzen zu erweitern (z.B. Nein-Sagen lernen, Forderungen stellen), was im Rahmen des Trainings sozialer Kompetenzen erfolgt.

Schlafstörungen

Für den Menschen hat der Schlaf viele wichtige Funktionen. So ist der Schlaf wichtig, um sich körperlich zu erholen, bedeutsame Erfahrungen im Gedächtnis zu speichern und Problemlösungen zu entwerfen. Des Weiteren spielt ausreichend Schlaf eine wichtige Rolle für die Funktion des Immunsystems und für regenerative Prozesse des Stoffwechsels. Während des Schlafes durchläuft der Mensch vier verschiedene Phasen. Diese dauern insgesamt ca. 90 Minuten und wiederholen sich mehrmals während des Schlafes. In dieser Zeit nehmen die Muskelspannungen, die Herz- und Atemfrequenz ab. Zudem sinken der Blutdruck und die Körpertemperatur. Wieviel ein Mensch schlafen sollte, ist schwer zu beantworten. Da das Schlafbedürfnis individuell unterschiedlich ist und von Gewohnheiten und Alter abhängen. Der Richtwert für ein gesundes Schlafsoll liegt bei ungefähr 7 Stunden.

Schlafstörungen sind relativ weit verbreitet und treten bei 4-22% der Bevölkerung auf. Ein dauerhaft unerholsamer Schlaf bzw. eine Schlafstörung kann zu Leidensdruck und zur Abnahme von Gedächtnisleistungen führen. Zudem begünstigt es die Entstehung vielfältiger Erkrankungen, wie arterieller Hypertonie, Substanzmissbrauch oder Störungen der Blutzuckerregulation.

Dyssomnien

Als Dyssomnien bezeichnet man Ein- und Durchschlafstörungen mit einer erhöhten Tagesmüdigkeit. Sie sind nicht auf organische Erkrankungen als Ursache zurückzuführen. Dyssomnien werden unterteilt in:

  • Nichtorganische Insomnien: Hierbei wird nicht die gewünschte Dauer und Qualität des Schlafes erreicht. Dies äußert sich innerhalb eines Monats mindestens drei Mal pro Woche durch Schwierigkeiten einzuschlafen oder durchzuschlafen oder in Form eines morgendlichen Früherwachens.
  • Nichtorganische Hypersomnie: Obwohl in der Nacht ausreichend geschlafen wurde, tritt bei der Hypersomnie fast täglich eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit auf.
  • Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus: Hierbei fällt es den Betroffenen schwer, in den von der Umgebung erwünschten Bettzeiten, zu schlafen. Dadurch kommt es zu ausgeprägter Müdigkeit am Tage und einem entsprechenden Leistungsabfall. Betroffen hiervon sind häufig Schichtarbeiter.

Parasomnien

Bei den Parasomnien ist die Qualität des Schlafes beeinträchtigt. Hierzu zählen:

  • Somnambulismus (Schlafwandeln): Das Schlafwandeln tritt meistens in der ersten Nachthälfte auf. Hierbei wird das Bett verlassen, ohne sich später daran zu erinnern. Auf Ansprache reagiert der Betroffene kaum und ist nur unter Schwierigkeiten zu wecken.
  • Pavor nocturnus: Der Betroffen hat in der ersten Nachthälfte eine Angstattacke und setzt sich mit einem lauten Schrei auf. Manchmal rennen die Betroffenen auch zur Tür, verlassen dabei aber nicht den Raum. Auch gutes Zureden beruhigt die Betroffenen nicht. Am nächsten Tag können sie sich nicht oder nur bruchstückhaft daran erinnern.
  • Albtraum: Bei einem Albtraum kommt es zu einem sehr lebhaften und furchteinflößenden Traum. Im Traum ist häufig das eigene Leben, die Sicherheit oder Selbstachtung bedroht. Der Betroffene schreckt aus dem Schlaf hoch, ist schnell orientiert und kann sich detailliert an seinen Traum erinnern. Häufig kommt es zu einer Wiederholung des selben Albtraumthemas.

 

Organische Schlafstörungen

Hierzu zählen Schlafstörungen, bei denen eine körperliche Ursache zugrunde liegt. Die bekanntesten organischen Schlafstörungen sind:

  • Restless-Legs-Syndrom: Dieses Syndrom äußert sich in unwillkürlichen Zuckungen, Missempfindungen und Schmerzen in den Beinen und in seltenen Fällen in den Armen. Diese treten im Ruhezustand abends oder nachts im Bett auf. Die Unruhe in den Beinen bessert sich durch Bewegungen. Jedoch werden durch das Aufstehen und Umhergehen die Einschlafversuche unterbrochen, wodurch die betroffene Person tagsüber müde ist.
  • Narkolepsie und Kataplexie: Diese Erkrankung zeichnet sich durch ein ständiges Gefühl von Müdigkeit und durch Einschlafattacken aus. Später können verschiedene Symptome hinzukommen. Hierzu zählt z.B. die Kataplexie. Dabei kommt es zur Muskelschwäche teilweise auch zum Hinstürzen ohne Bewusstseinsverlust. Diese Muskelschwäche ist an Emotionen gebunden. Des Weiteren sind Lähmungen für einige Minuten nach dem Aufwachen möglich. Beim Einschlafen können sehr lebhafte Sinneswahrnehmungen auftreten. Im Verlauf der Erkrankung kommt es oft zu Wachzeiten in der Nacht.
  • Schlafapnoe-Syndrom: Durch Atempausen während des Schlafens von mindesten 10 Sekunden kommt es zum lauten Schnarchen. Hierbei kommt es zu Schlafunterbrechungen mit einem reduzierten Tiefschlaf und Schlafmangel. In Folge dessen klagen Betroffene über eine ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Zusätzlich können Kopfschmerzen, Potenzstörungen, depressive Verstimmungen und Konzentrationsschwierigkeiten auftreten. Langfristig steigt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen.

Therapiemöglichkeiten

Anfangs wird, mithilfe von Schlaftagebüchern, die Entstehungs- und Aufrechterhaltungsbedingungen der Schlafstörungen analysiert. Gegebenenfalls muss in der Therapie der Konsum von Schlafmitteln reduziert werden. Ein weiterer Bestandteil der Behandlung ist die Informationsvermittlung über den Schlaf und das Erlernen schlaffördernder Strategien. Die Strategien setzen sowohl bei der Tagesgestaltung als auch bei der Schlafsymptomatik an. So werden Veränderungen der Schlafumgebung, -einstellungen und –gewohnheiten (auch Stimuluskontrolle genannt) sowie ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus besprochen. Zudem erlernt der Betroffene Entspannungstechniken und Methoden der Stressbewältigung. Auch die Bearbeitung spezifischer Konfliktsituationen aus dem Alltag können ein Bestandteil der Behandlung sein.

PTBS

Viele Menschen erleben mindestens ein traumatisches Ereignis in ihrem Leben. Ein Trauma ist ein extrem belastendes Ereignis, welches mit einer außergewöhnlichen Bedrohung einhergeht. Davon kann man selbst betroffen sein oder dieses beobachten. Traumatische Erlebnisse sind z. B. sexuelle Gewalt, Verkehrsunfälle, Naturkatastrophen, Brände, eine plötzlich auftretende, lebensbedrohliche Erkrankung, Terroranschläge, Vergewaltigungen oder Kriege. Wer ein Trauma erlebt, reagiert oft mit einer intensiven Angst, Hilflosigkeit und körperlichen Stressreaktionen. Bei manchen Betroffenen halten diese Reaktionen auch lange nach dem Ereignis an und beeinträchtigen den Alltag und die Lebensqualität. Die bekannteste Folgeerkrankung ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Aber auch zahlreiche andere psychische Erkrankungen können sich entwickeln, wie Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Beschwerden, Substanzkonsum.

Ungefähr 5% der Männer und 10 % der Frauen leiden einmal im Leben unter der Posttraumatischen Belastungsstörung. Häufig kommt es zu einem Wiedererleben des traumatischen Ereignisses durch Gedanken, lebendige, echt wirkende Erinnerungen (Flashbacks) oder Albträumen. Um nicht an das Trauma erinnert zu werden, vermeiden viele Betroffene Situationen oder Aktivitäten, die sie daran erinnern können. Auch ein Gefühl der Gleichgültigkeit gegenüber Anderen oder eine emotionale Abstumpfung können sich einstellen. Zudem berichten viele Betroffenen von Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und Wutausbrüchen, einer erhöhten Schreckhaftigkeit oder Schlafstörungen.

 

Therapiemöglichkeiten:

Die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen wird immer individuelle auf die Person zugeschnitten. Dabei haben sich Konfrontationsverfahren, kognitive Therapiemethoden wie die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy, Ego-State-Therapie und EMDR als wirksam erwiesen. Bei chronifizierten Erkrankungen aufgrund einer Traumatisierung wird meist Schematherapie eingesetzt.

Auch Schwierigkeiten in der Affektregulation (z. B. Wutausbrüche, Substanzkonsum) werden berücksichtigt und z.B. mithilfe von Methoden aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie behandelt.

Persönlichkeitsstörungen

Unsere Persönlichkeit entwickelt sich aus unserem angeborenen Temperament und wird durch unsere Erfahrungen in der Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter weiter geprägt. Heute macht sie uns zu dem Menschen, der wir sind und ist eine wichtige Säule unserer Identität. Unsere Persönlichkeit hilft uns, den Anforderungen unseres Lebens auf unsere individuelle Art gerecht zu werden.

Wenn wir unter bestimmten Entwicklungsbedingungen aufgewachsen sind, kann es ein, dass wir im Gegensatz zu anderen Menschen eine andere Art entwickelt haben Situationen wahrzunehmen und sie zu beurteilen, können unsere Gefühle intensiver sein, uns unsere zwischenmenschlichen Beziehungen immer wieder vor Probleme stellen und können uns Impulskontrolle oder Bedürfnisbefriedigung schwerer fallen. Die Befriedigung unserer psychologischen Grundbedürfnisse ist erschwert, weil wir weniger flexibel auf unterschiedliche Anforderungen reagieren können.

Menschen können dann im Umgang mit Anderen zum Beispiel starkes Misstrauen empfinden oder sind Einzelgänger ohne Interesse an sozialen Bindungen. Anderen fehlt das Einfühlungsvermögen für die Gefühle anderer. Wieder andere haben ein übermäßiges Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Anerkennung, Lob oder erleben intensiven Schwankungen in Stimmung, Gefühlen und Selbstbild und haben eine kaum zu beruhigende Angst verlassen zu werden. Manche leiden unter der erlebten Unfähigkeit fast aller Menschen, die ihn oder sie umgeben und erleben sich als nicht ausreichend wahrgenommen. Wieder andere halten sich aus Angst vor Fehlern strikt an Regeln und Normen oder sind übermäßig besorgt und unsicher in fast allen Situationen. Andere ordnen ihre Bedürfnisse unter, weil sie sich von der Anwesenheit Anderer abhängig fühlen. Charakteristisch ist jedoch für alle, dass die eigene Persönlichkeit als unveränderbar erscheint und der Betroffene oder nahe Bezugspersonen unter bestimmten Eigenschaften leiden.

Therapiemöglichkeiten:

In der Therapie ist eine vertrauensvolle und sichere therapeutische Beziehung wesentlich für das Hinterfragen und die Veränderung hinderlicher Aspekte der Persönlichkeit. Wenn die sichere Beziehung aufgebaut ist, geht es darum, vor dem Hintergrund Ihrer Erfahrungen verstehbar zu machen, wie die heute störenden Verhaltens- und Erlebensweisen entstanden sind und welche Bedürfnisse (Motive) sich dahinter verbergen. Hierbei ist die klärungsorientierte Psychotherapie nach Rainer Sachse mit ihrer Motivorientierten Beziehungsgestaltung mittel der Wahl.

Auch Methoden der Kognitiven Verhaltenstherapie zur Verbesserung der Selbstwahrnehmung, Regulation von Gefühlen und Impulsen, Flexibilisierung und Überprüfung von Regeln und Annahmen erzielen wirksame Veränderungen.

Die Veränderung alter Denk- und Erlebensweisen (sogenannten Schemata), die sich heute als wenig hilfreich herausgestellt haben, hat auch die Schematherapie nach Jeffrey Young zum Ziel und wird in der Therapie von Persönlichkeitsstörungen eingesetzt.

Für Menschen mit einer emotional-instabilen Persönlichkeitsstörung hat sich ein spezielles Behandlungsverfahren als wirksam erwiesen: die Dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach Marsha Linehan.

Depression

Ein Hoch oder Tief kennt jeder mal. Wenn sich dieser Stimmungszustand jedoch nicht über längere Zeit ändert und die Lebensqualität massiv beeinträchtigt, kann eine Depression vorliegen.

Depressionen sind dadurch gekennzeichnet, dass der Betroffene sich niedergeschlagen fühlt, viel grübelt, sich erschöpft fühlt, keine Freude mehr hat und seinen Interessen nicht mehr nachgeht. Auch das Denken verändert sich. Der Betroffene leidet unter Schuldgefühlen oder fühlt sich wertlos. Es kann zu Konzentrationsschwierigkeiten kommen, es wird vieles vergessen oder es fällt schwer Entscheidungen zu treffen. Der Betroffene sieht seine Zukunft schwarz. Dies kann bis zum Suizid führen. Eine Depression kann sich auch körperlich bemerkbar machen. Der Betroffene verliert sein sexuelles Interesse, es entsteht eine innere Unruhe, der Appetit verändert sich und es kommt zu Schlafstörungen oder einem morgendlichen Früherwachen.

Depressionen können als einzelne Episoden, wiederholte Episoden (rezidivierend) oder zusammen mit Manien als sogenannte Bipolare Störungen auftreten. Chronische leichte depressive Symptome sind kennzeichnend für eine Dysthymia. Wenn über mindestens zwei Jahre leichte depressive und hypomanische Phasen auftreten, wird das Zyklothymia genannt.
Depressionen sind relativ häufig. Untersuchungen gehen davon aus, dass zwischen 5-18% in der Bevölkerung mind. einmal im Leben daran leiden. Von bipolaren Störungen sind ungefähr 2% der Bevölkerung betroffen.

Therapiemöglichkeiten:
Es gibt eine Vielzahl an wirksamen Therapiemöglichkeiten, aus denen ein individueller Behandlungsplan erstellt werden kann. Hierbei können die kognitive Verhaltenstherapie, Interpersonelle Psychotherapie, Schematherapie, Selbstsicherheitstraining, Stressbewältigungstraining, Achtsamkeitstraining, das Cognitive Behavioural Analysis System of Psychotherapy und die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) zum Tragen kommen.