Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR)

Eye Movement Desensitization and Reprocessing bedeutet Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen und ist eine von Francine Shapiro entwickelte Behandlungsmethode für traumatisierte Personen. Dieses Therapieverfahren basiert auf der Annahme, dass es bei einem Trauma zu einem „sprachlosen Entsetzen“ kommen kann, bei dem in der rechten Hirnhälfte Bilder des Erlebten gespeichert werden, während das Sprachzentrum in der linken Hirnhälfte aktiv unterdrückt wird. Das Erlebte kann nicht in Worte gefasst werden und die Verarbeitung des erlebten Traumas wird erschwert oder sogar verhindert. Während der Therapie wird die Aufmerksamkeit des Betroffenen nun doppelt gebunden, indem er sich zum einen auf die schmerzliche Erinnerung konzentriert und zum anderen auf die ruhige Bewegung der Finger des Behandlers. Durch diese Verknüpfung wird der Betroffene mehr und mehr zum Beobachter seiner Erfahrungen und die quälenden Erinnerungen verlieren in dem beruhigenden und klar strukturierten Setting nach und nach an Macht. Die Behandlung gliedert sich in 8 Phasen, in denen Psychoedukation, Stabilisierungsverfahren, sowie Desensibilisierung und Durcharbeitung eine bedeutende Rolle spielen.

PTBS

Viele Menschen erleben mindestens ein traumatisches Ereignis in ihrem Leben. Ein Trauma ist ein extrem belastendes Ereignis, welches mit einer außergewöhnlichen Bedrohung einhergeht. Davon kann man selbst betroffen sein oder dieses beobachten. Traumatische Erlebnisse sind z. B. sexuelle Gewalt, Verkehrsunfälle, Naturkatastrophen, Brände, eine plötzlich auftretende, lebensbedrohliche Erkrankung, Terroranschläge, Vergewaltigungen oder Kriege. Wer ein Trauma erlebt, reagiert oft mit einer intensiven Angst, Hilflosigkeit und körperlichen Stressreaktionen. Bei manchen Betroffenen halten diese Reaktionen auch lange nach dem Ereignis an und beeinträchtigen den Alltag und die Lebensqualität. Die bekannteste Folgeerkrankung ist die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS). Aber auch zahlreiche andere psychische Erkrankungen können sich entwickeln, wie Schlafstörungen, Depressionen, psychosomatische Beschwerden, Substanzkonsum.

Ungefähr 5% der Männer und 10 % der Frauen leiden einmal im Leben unter der Posttraumatischen Belastungsstörung. Häufig kommt es zu einem Wiedererleben des traumatischen Ereignisses durch Gedanken, lebendige, echt wirkende Erinnerungen (Flashbacks) oder Albträumen. Um nicht an das Trauma erinnert zu werden, vermeiden viele Betroffene Situationen oder Aktivitäten, die sie daran erinnern können. Auch ein Gefühl der Gleichgültigkeit gegenüber Anderen oder eine emotionale Abstumpfung können sich einstellen. Zudem berichten viele Betroffenen von Konzentrationsschwierigkeiten, Reizbarkeit und Wutausbrüchen, einer erhöhten Schreckhaftigkeit oder Schlafstörungen.

 

Therapiemöglichkeiten:

Die Behandlung von Posttraumatischen Belastungsstörungen wird immer individuelle auf die Person zugeschnitten. Dabei haben sich Konfrontationsverfahren, kognitive Therapiemethoden wie die Imagery Rescripting and Reprocessing Therapy, Ego-State-Therapie und EMDR als wirksam erwiesen. Bei chronifizierten Erkrankungen aufgrund einer Traumatisierung wird meist Schematherapie eingesetzt.

Auch Schwierigkeiten in der Affektregulation (z. B. Wutausbrüche, Substanzkonsum) werden berücksichtigt und z.B. mithilfe von Methoden aus der Dialektisch-Behavioralen Therapie behandelt.